Regulierung einer Uhr

 

Was versteht man unter einer Regulierung?

 

Unter Regulierung versteht man die Feineinstellung und Verminderung der Gangabweichung einer Uhr.

 

 

Wie wird Reguliert?

 

Es wird so sorgfältig wie nur möglich unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren einreguliert.

 

Welche sind das?

 

➔ Federkraftkurve - Die Gangabweichung verändert sich je nach dem wie viel die Antriebsfeder aufgezogen ist. Automatikuhren sind über den Tag hinweg fast immer voll aufgezogen, während die Antriebsfeder eine Handaufzugsuhr dauerhaft immer weiter abgespannt wird, bis sie wieder einmalig voll aufgezogen wird.

 

➔ Gangschwankungen - Leichte Unregelmäßigkeiten im Räderwerk führen zu unterschiedlichen Antriebsverhältnissen. Daher ist es besser immer über einen längeren Zeitraum zu messen.

 

➔ Es wird der Durchschnittswert aller 6 Prüflagen, die auf der Zeitwaage gemessen wurden mit der tatsächlich Gangabweichung, die über 24 Stunden auf dem Umlaufgerät ermittelt wurden miteinander verglichen. Diese Abweichung lässt sich gut für die Regulierung auf die Tragelagen mit einbeziehen.

 

➔ Tragelagen - Zifferblatt oben / Krone unten / Krone links (Uhr am linken Arm getragen)

Während dem Tragen der Uhr haben Krone unten und Krone links die größten Auswirkungen. Im Schnitt sind das 16 Stunden. In der Nacht spielen die Messwerte für Zifferblatt oben eine rolle. Das sind im Schnitt 8 Stunden. Alle 3 Werte ergeben die theoretische Durchschnittliche Abweichung in 24 Stunden.

 

 

Weitere Faktoren, die nur Erfahrungsgemäß bei der Regulierung mit einbezogen werden, aber vor Ort nur bedingt getestet werden können (mit Umlaufgerät unter Bewegung aber ohne Erschütterung)

 

➔ Temperaturveränderungen, Erschütterungen und Tragegewohnheiten des Trägers.

 

Beispiele:

 

Beispiel 1: Theoretischer Durchschnittswert +9s/24h ➔ getragen in der Realität +3s/24h Sekunden 

➔ Faktoren richtig mit einbezogen.

 

Beispiel 2: Theoretischer Durchschnittswert +1s/24h ➔ getragen in der Realität -6s/24h Sekunden 

➔ Zu knapp Reguliert. Faktoren falsch mit einbezogen.

 

 

Zusammengefasst

 

Das Gangzeugnis zeigt eine kurze Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Ablese. Der Durchschnittswert der Tragelagen Zifferblatt oben, Krone unten und Krone links wird in der Realität Abweichen. Dies variiert auch von einer Person zur anderen und von einem Tag zum nächsten, selbst bei ein und der selben Person. Allerdings wird immer so reguliert, dass die Uhr nicht zum Nachgang neigt. Sollte dies trotzdem der Fall sein, dann ist eine Nachregulierung jederzeit möglich.

 

Wie knapp einreguliert werden kann hängt von der Qualität, Fertigungstoleranzen und Zustand der Werksbauteile ab.

 

Gangzeugnis Begriffserklärung

 

  • Gangzeugnis =  Die erfassten Messwerte des Uhrwerks zum Zeitpunkt der Ablese
  • Witschi Chronomaster Pro = Zeitwaage mit der die Messwerte erfasst wurden
  • Prüfling = Die zu prüfende Uhr
  • Kaliber =  Bezeichnung des Uhrwerks
  • A/h =  Sollschlagzahl pro Stunde. Wird als Bezugspunkt für die Gangmessung verwendet.
  • Lift = Hebungswinkel. Wird für die richtige Amplitudenberechnung benötigt.
  • Gang [s/d] = Aktuelle Abweichung zum Zeitpunkt der Messung (Sekunden in 24 Stunden)
  • Rep [ms] = Repère bezeichnet die Gangsymmetrie der Unruh (Millisekunden)
  • Ampl [°] = Die Amplitude bezeichnet die Schwingungsweite der Unruh (Grad)
  • ZO, ZU, KU, KL, KO, KR bezeichnen die Messpositionen auf der Zeitwaage Z = Zifferblattlage K = Kronenlage U = unten L = links O = oben R = rechts ➔ zum Beispiel KU = Kronenlage unten
  • Xalle Lagen = bezeichnet den Durchschnittswert aller 6 Prüflagen
  • XZO/KU/KL = bezeichnet den Durchschnittswert der 3 relevanten Prüflagen (Tragelagen am Arm + Nachtablage)
  • Gangzeugnis bei Vollaufzug minus 20min = Es wird erst gemessen nach dem die Uhr schon 20min gelaufen ist, nach dem sie Voll aufgezogen wurde. Damit wird die Kraftspitze der Antriebsfeder in den ersten 20min ausgeblendet und nicht im Gangzeugnis mit einbezogen. Die Federkraftkurve der Antriebsfeder ist nämlich erst danach "konstant".
  • Messzeit je Prüflage = Es wird der Durchschnittswert von Gang und Amplitude von 60 Sekunden genommen. Schwankende Antriebskräfte im Laufwerk (Hemmrad bis Sekundenrad) werden so besser mit einberechnet.
  • Gemessene Gangreserve = Reicht von Vollaufzug bis Stillstand der Uhr ohne zwischenzeitliches Aufziehen.
Umlaufgerät - Zum Testen der Automatik und dem Gang unter Bewegung. Es mischt alle 6 Prüflagen zusammen.
Umlaufgerät - Zum Testen der Automatik und dem Gang unter Bewegung. Es mischt alle 6 Prüflagen zusammen.
Zeitwaage - Wird genutzt für die Kontrolle des Gesundheitszustandes, zur Fehlersuche und Gangreglage sowie Langzeitanalysen des Uhrwerks.
Zeitwaage - Wird genutzt für die Kontrolle des Gesundheitszustandes, zur Fehlersuche und Gangreglage sowie Langzeitanalysen des Uhrwerks.