Die Regulierung einer Uhr

 

Was versteht man unter einer Regulierung? 

Unter Regulierung versteht man die Feineinstellung und Verminderung der Gangabweichung einer Uhr.

 

 

Welche Möglichkeiten gibt es die Uhr zu regulieren?

  • Abstimmung der Materialien auf die Konstruktion
  • Auswuchten der Unruh 
  • Einstellung des Schlüsselspiels (nur bei Uhren mit Spiralrücker)
  • Verminderung der Gangabweichung 
  • Einstellung der Gangsymmetrie
  • Einstellung der Hemmung
  • Kontrolle und Beseitigung von Verschleiß
  • richtige Ausrichtung der Unruhspirale 
  • Sauberkeit
  • richtige Schmierung

 

 

Wie wird reguliert?

Es wird so sorgfältig wie möglich unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren reguliert.

 

Welche sind das?

  • Federkraftkurve: Die Gangabweichung verändert sich je nachdem, wie stark die Antriebsfeder aufgezogen ist. Automatikuhren sind über den Tag hinweg fast immer voll aufgezogen, während die Antriebsfeder einer Handaufzugsuhr kontinuierlich weiter abgespannt wird, bis sie wieder einmalig voll aufgezogen wird.
  • Gangschwankungen: Unregelmäßigkeiten im Räderwerk führen zu unterschiedlichen Antriebsverhältnissen. Daher ist es besser, über einen längeren Zeitraum zu messen.
  • Tragelagen: ZO (Zifferblatt oben), KL (Krone links), KU (Krone unten) - (Uhr am linken Arm getragen).

Während des Tragens der Uhr haben KL und KU die größten Auswirkungen, im Durchschnitt 16 Stunden. Nachts spielen die Messwerte für ZO eine Rolle, im Schnitt 8 Stunden. Alle 3 Werte ergeben die theoretische durchschnittliche Abweichung in 24 Stunden.

 

ZU (Zifferblatt unten), KR (Krone rechts), KO (Krone oben) sind letztendlich zu vernachlässigen, da sich die Uhr im Alltag nicht in diesen Lagen befindet. Dennoch sollte man sie kontrollieren, um Fehler auszuschließen. Außerdem können diese Lagen für einen Test in der Werkstatt mit einbezogen werden.

 

Wenn die Uhr am rechten Arm getragen wird, verhält es sich bei den vertikalen Prüflagen genau anders herum. KL, KU und KR, KO sind vertauscht.

 

In der Werkstatt wird Durchschnittswert aller 6 Prüflagen, die auf der Zeitwaage gemessen wurden, mit der Gangabweichung verglichen, die über 24 Stunden auf dem Umlaufgerät entstanden ist. Diese Abweichung lässt sich dann gut für die Regulierung auf die Tragelagen mit einbeziehen.

 

Das Uhrwerk läuft in jeder Lage verschieden. Hier muss ein guter Mittelwert gefunden werden.

 

 

Weitere Faktoren, die erfahrungsgemäß bei der Regulierung mit einbezogen werden:

  • Temperaturveränderungen
  • Erschütterungen
  • Tragegewohnheiten des Trägers

 

Beispiele für eine Regulierung:

Beispiel 1: Theoretischer Durchschnittswert +9s/24h ➔ in der Realität getragen: +3s/24h Sekunden 

➔ Richtig reguliert.

 

Beispiel 2: Theoretischer Durchschnittswert +1s/24h ➔ in der Realität getragen: -6s/24h Sekunden 

➔ Zu knapp reguliert. 

 

 

Zusammengefasst

Das Gangprotokoll zeigt eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Ablesung. Die erfassten Messwerte werden in der Realität abweichen. Dies variiert auch von einer Person zur anderen und von einem Tag zum nächsten, selbst bei ein und derselben Person. Allerdings wird immer so reguliert, dass die Uhr nicht zum Nachgang neigt. Sollte dies trotzdem der Fall sein, dann ist eine Nachregulierung jederzeit möglich.

 

Wie knapp einreguliert werden kann, hängt von der Qualität, den Fertigungstoleranzen und dem Zustand der Werksbauteile ab.

 

Gangprotokoll Begriffserklärung

 

  • Gangprotokoll: Die erfassten Messwerte des Uhrwerks zum Zeitpunkt der Ablesung.
  • Witschi Chronomaster Pro: Zeitwaage, mit der die Prüfung ausgeführt wurde.
  • Prüfling: Die zu prüfende Uhr.
  • Kaliber: Bezeichnung des Uhrwerks.
  • A/h: Sollschlagzahl pro Stunde. Wird als Bezugspunkt für die Gangmessung verwendet.
  • HW: Hebungswinkel. Beschreibt Beginn und Ende der Hebung, bei der die Hemmung die Kraft vom Räderwerk auf die Unruh überträgt. Wird für die richtige Amplitudenberechnung benötigt.
  • Gang [s/d]: Aktuelle Abweichung zum Zeitpunkt der Messung (Sekunden in 24 Stunden).
  • Rep [ms]: Repère bezeichnet die Gangsymmetrie der Unruh (Millisekunden).
  • Ampl [°]: Die Amplitude bezeichnet die Schwingungsweite der Unruh (Grad).
  • ZO, ZU, KL, KU, KR, KO: Bezeichnen die Prüflagen auf der Zeitwaage. Diese sind deutsche Abkürzungen und bedeuten:

ZO = "Zifferblatt oben" = Zifferblatt zeigt nach oben.

ZU = "Zifferblatt unten" = Zifferblatt zeigt nach unten.

KL = "Krone links" = Krone zeigt nach links.

KU = "Krone unten" = Krone zeigt nach unten.

KR = "Krone rechts" = Krone zeigt nach rechts.

KO = "Krone oben" = Krone zeigt nach oben.

  • Xalle Lagen: Bezeichnet den Durchschnittswert aller 6 Prüflagen.
  • XZO/KL/KU: Bezeichnet den Durchschnittswert der 3 relevanten Prüflagen (Tragelagen am Arm + Nachtablage).
  • Messung ausgeführt bei: Vollaufzug minus 20 Minuten: Nachdem die Uhr voll aufgezogen wurde, wird erst gemessen, nachdem die Uhr schon 20 Minuten gelaufen ist. Damit wird die Kraftspitze der Antriebsfeder in den ersten 20 Minuten ausgeblendet und nicht in der Gangmessung mit einbezogen. Die Federkraftkurve der Antriebsfeder ist nämlich erst danach "konstant". Das bedeutet, dass die Messwerte im Gangprotokoll so unverfälscht dargestellt werden.
  • Messzeit je Prüflage: Es wird der Durchschnittswert von Gang und Amplitude über 60 Sekunden genommen. Schwankende Antriebskräfte im Laufwerk (Sekundenrad bis Hemmrad) werden so besser mit einberechnet.
  • Ermittelte Gangreserve: Reicht vom Vollaufzug bis zum Stillstand der Uhr ohne zwischenzeitliches Aufziehen.
Zeitwaage - Witschi Chronomaster Pro mit Witschi Terminal - Wird genutzt für die Kontrolle des Gesundheitszustandes, zur Fehlersuche und Gangreglage sowie Langzeitanalysen des Uhrwerks.
Zeitwaage - Witschi Chronomaster Pro mit Witschi Terminal - Wird genutzt für die Kontrolle des Gesundheitszustandes, zur Fehlersuche und Gangreglage sowie Langzeitanalysen des Uhrwerks.
Umlaufgerät - Zum Testen der Automatik und des Gangs unter Bewegung. Es kombiniert alle 6 Prüflagen.
Umlaufgerät - Zum Testen der Automatik und des Gangs unter Bewegung. Es kombiniert alle 6 Prüflagen.